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cce£t aiƒu

N°166

ternehmen genutzt, sondern auch von

Staaten. SpBtestens seit den nthØllungen

von dward Snowden wissen wir, dass die

staatlichen SpBhorganisationen moderner

Staaten weidlich davon Gebrauch ma-

chen, praktisch ohne jede Ÿffentliche Kon-

trolle und mit 1nterstØtzung der privaten

IT-Konzerne. Das Fabelhafte dabei ist,

dass die BØrger sich diese, sie Øberwa-

chende Technik, selbst anschaffen und da-

bei noch das GefØhl haben, Freiheit dazu-

zugewinnen.

Perfekter lassen sich die Interessen der

endlosen Geldverwertung und staatlicher

Kontrolle nicht verbinden.

Ic……abe nic…ts âÕ

Ûerber}ent

Diese Aussage kann man oft hŸren. Das

ist aber leider eine Sichtweise, die vielen

von uns eines Tages die Freiheit oder wo-

mŸglich das eben kosten kŸnnte.

Als der tØrkische PrBsident rdogan An-

fang Ó017 Tausende von ,egierungskriti-

kern verhaften lie~, offenbarten ihm

Smartphone-Daten ein perfektes Schau-

bild von Kontakten und 6erbindungen.

Nicht zuletzt dadurch folgten die 6erhaf-

tungswellen so schnell und umfassend. In

gypten konnte das Al-Sisi-,egime nach

dem arabischen FrØhling dank Facebook

und Twitter ebenfalls besonders effektiv

zuschlagen und Dissidenten aus dem 6er-

kehr ziehen.

7ann wer auf welche 7eise in das Mahl-

werk des Staates gerBt, hBngt Øberhaupt

nicht davon ab, ob BØrger sich fØr unbe-

scholten halten oder nicht, sondern wen

Machthaber als potentiell stŸrend betrach-

ten. 7ie 7ikileaks-GrØnder Julian Assan-

ge treffend feststellte, haben Telekommu-

nikationskonzerne und Nachrichtendiens-

te lBngst ein schlØsselfertiges System fØr

einen totalitBren Staat geschaffen. 1nd die

BØrger helfen ihnen dabei nach KrBften.

6on `er totalen

Di}italisierÕn} âÕm

¹Trans…ÕmanismÕsº

Digitalisierung und Mobilfunktechnik ste-

hen aber erst am Anfang. 1m im globalen

7ettbewerb nicht abgehBngt zu werden,

so das Credo der Industrie, muss in ener-

gieintensivere Infrastrukturen von Sende-

masten und ,echenzentren investieren.

4ber den enormen zusBtzlichen 1mwelt-

verbrauch und die mŸglichen gesundheit-

lichen Folgen gibt es keine Debatte. Auch

die massiv gesteigerten 4berwachungs-

mŸglichkeiten und ,isiken von ackeran-

griffen sind kein Thema. Besonders absurd

aber ist es, dass nach dem Sinn dieser gan-

zen ntwicklung Øberhaupt nicht gefragt

wird. KostengØnstigere und umweltscho-

nende Alternativen werden gar nicht erst

erwBhnt.

ine ehrliche Bilanz zeigt, dass wir mit ei-

ner schrankenlosen Digitalisierung, wie

Politik und Industrie sie anstreben, einige

der hŸchsten 7erte menschlichen ebens,

nBmlich unsere Freiheit, unsere 1mwelt

und unsere Gesundheit, gefBhrden, wBh-

rend wir im Gegenzug dafØr kaum mehr

als ein paar Gimmicks bekommen.

inigen Silicon-6alley-Akteuren geht das

aber noch nicht weit genug. Bei Google

trBumen sie davon den biologischen Men-

schen abzuschaffen und sein Bewusstsein

in ein Netz von Daten zu ØberfØhren.

SehnsØchtig erwartet man in den nBchsten

Jahrzehnten den Moment, wenn die ,e-

chenleistungen von Computern die Denk-

leistungen von Menschen Øberschreiten

sollen und die Automaten den kŸrperli-

chen Menschen ØberflØssig machen.

Schon ,enj Descartes behauptete im 17.

Jahrhundert, Tiere lie~en sich leicht nach-

bauen, wenn man ihren Aufbau einmal

verstanden hBtte.

Solche 4berlegungen sind symptomatisch

fØr eine MBnnerwelt, die von ihrer eigenen

Innenwelt so weit abgespalten ist, dass sie

Denken, FØhlen und 7ahrnehmen von

,echnen nicht mehr unterscheiden kann.

Der digitalisierte Mensch ist der endgØltig

zu Tode disziplinierte Mensch, der nur

noch als Datensatz fortlebt.

7ollen wir euten mit solchen 6isionen

unsere <ukunft anvertrauen¶ 7ollen wir

ihnen weiterhin unsere Daten zur 6erfØ-

gung stellen, durch ihre Google-Brillen die

7elt sehen und uns bald in von ihnen ge-

steuerten Autos herumfahren lassen¶

Oder werden wir in der age sein, uns aus

der von ihnen geschaffenen Matrix zu be-

freien¶

-in` Üir mit ,ifŽin aÕs

`em -c…nei`er¶

Angesichts dieser bedenklichen ntwick-

lungen ist der noch immer verbreitete

Technikoptimismus verblØffend. Der 1S-

Soziologe Jeremy ,ifkin, der auch die

Strategiestudie fØr uxemburg ausgearbei-

tet hat, glaubt etwa (siehe dazu: ¹Die

Null-Grenzkosten-Gesellschaftº),

dass

sich der Kapitalismus durch die weitere

technische ntwicklung langsam, aber si-

cher selbst abschaffen werde. Indem die

¹Grenzkostenº in der Produktion gegen

null gehen, werden wir in eine 7elt des

4berflusses und der FØlle fØr alle eintre-

ten.

Diese Idee ist im Grunde eine 7iederho-

lung der marxistischen 6orstellung, die

technische ntwicklung der Produktiv-

krBfte wØrde gleichsam automatisch die

Grundlagen fØr ein kommunistisches Pa-

radies schaffen. So verstBndlich diese Per-

spektive vor 1x0 Jahren war, als man hof-

fen konnte, durch industrielle Produktion

einen gewissen allgemeinen 7ohlstand zu

schaffen, so weltfremd mutet sie doch

heute an. 6on der totalen Digitalisierung

eine 7eltrevolution zu erwarten, ist ein

Symptom fØr den ,ealitBtsverlust einer

technokratisch geprBgten Gesellschaft, die

sich in magisches Denken flØchtet.

Sich aus der Matrix entmØndigender

Technik zu befreien, bedeutet nicht in ei-

ne vorindustrielle 7elt zurØckkehren zu

wollen. s geht nicht darum, ob man fØr

oder gegen Technik ist. Diese Frage ist un-

sinnig, denn Menschen nutzen Technik

seit jeher. Die Frage hei~t: welche Tech-

nik, und wie viel davon¶ 7as sind wØn-

schenswerte Techniken fØr eine men-

schenwØrdige und zukunftsfBhige 7elt¶

7ie kŸnnen wir Øber Technik vernunftge-

leitet und realistisch sprechen und ent-

scheiden¶ 1nd vor allem: 7er entschei-

det¶ Der Mythos vom unaufhaltsamen

technischen Fortschritt, dessen ,ichtung

vorherbestimmt ist, verdeckt die Tatsache,

dass hinter jeder ntwicklung menschli-

che ntscheidungen stehen, die verBnder-

bar sind, und hinter jeder ntscheidung

reale Personen mit bestimmten Motiven

und vor allem einem Kontot

7ege zu einer menschenfreundlichen

Technik zu beschreiten, bedeutet, Technik

aus der Maschinerie der Kapitalverwer-

tung (Industrie) und der Staaten herauszu-

lŸsen. 7Bhrend heute IT-Konzerne und

Automobilhersteller mit massiver staatli-

cher 1nterstØtzung unsere <ukunft desig-

nen und uns das, was gut fØr sie ist, als

unvermeidlich fØr uns verkaufen wollen,

geht es in dieser Perspektive darum, Tech-

niken nØchtern und differenziert nach ih-

rem tatsBchlichen Nutzen und den von ih-

nen verursachten SchBden zu beurteilen.

s liegt an uns, ob wir das Feld Transhu-

manisten, Geldverwertern und dem 4ber-

wachungsstaat Øberlassen oder es wieder

selbst in die and nehmen.

ÈÈ1ind îir mit 0i|—in aæÓ dem1\hneiŽ

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