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N°168

Das PolitbØro-Mitglied der

PF, Pierre Juquin warnte vor

einer falschen EinschBtzung

der Lage: “Wir fordern die Stu-

denten auf, die vorhandenen

MachtverhBltnisse genauer zu

analysieren, damit sie nicht auf

abenteuerliche Wege gelan-

gen». Diejenigen die um jeden

Preis eine Revolution wollten,

waren bereit, Øber divergierende Meinun-

gen hinwegzusehen. Doch sie schienen zu

vergessen, dass “der BØrgerkrieg keine

irmes ist und nicht unbedingt zum So-

zialismus fØhren mu~», so Renj Andrieu

in L’humanitj vom 28.5.1968.

Frankreich ist ein zentralistisch regiertes

Land. Es ist deshalb utopisch zu glauben,

eine nicht genØgend organisierte Arbeiter-

schaft fØr eine sozialistische Revolution

mobilisieren zu kŸnnen. Die anarchisti-

schen Studentengruppen lehnen indessen

jede Form von Organisation ab. Sie beru-

fen sich auf SpontaneitBt und Anarchie.

Die Parole lautet “<unBchst zerstŸren,

dann weitersehen». Die trotzkistische <ei-

tung “La Voix Ouvrimre» proklamierte:

“Die Anarchie, das ist die Ordnung». Al-

lein die FØlle der studentischen linksextre-

mistischen Gruppierungen ist bezeich-

nend und so scheiterte denn auch am 28.

Mai der Versuch einer oordinierung aller

revolutionBren rBfte. Die <ersplitterung

und die anarchistischen Parolen haben die

Angst der BevŸlkerung vor dem ommu-

nismus bestBtigt. De Gaulle hat denn auch

diese Situation bei den Wahlen erfolgreich

zu nutzen gewusst, indem er das Schreck-

gespenst eines totalitBren ommunismus

an die Wand malte und die franzŸsischen

BØrger vor die Wahl stellte: Ich oder das

Chaos.

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Bei allen 4berlegungen, ob es sich bei den

Mai-Ereignissen um Revolution handelt

oder nicht, ist zu berØcksichtigen, dass die

meisten Arbeiter ihre Forderungen allein

auf hŸhere LŸhne oder bessere Lebensbe-

dingungen richteten. Das zeigte sich ganz

deutlich in Boulogne-Billancourt, wo die

Studenten von den Arbeitern zurØckge-

wiesen wurden. Die gro~e Mehrheit der

Arbeiter entschied sich fØr legale Metho-

den im Sozialkampf.

Die Arbeiterschaft bleibt sowohl zahlen-

mB~ig als auch wegen ihrer zentralen Stel-

lung im Produktionsprozess die revolutio-

nBre raft. Doch gibt es wichtige 4be-

reinstimmungen zwischen der Lage der

Arbeiter und der Studenten. “Die wesent-

lichen Interessen der Studenten und der

gesamten Arbeiterschaft stimmen Øbe-

rein», erklBrte die PF am 12. Mai. Wie

die Arbeiter haben auch die Studenten

wenig Anteil an einer Gesellschaft mit vor-

wiegenden onsuminteressen, sie partizi-

pieren in viel geringerem Ma~e am Wohls-

tand als andere Teile der BevŸlkerung.

Ebenso wenig wie die Arbeiter sind die

Studenten im Besitz von Produktionsmit-

teln. Die Wissenschaft selbst wird zur Pro-

duktivkraft.

Die Studenten sind nun „der kapitalisti-

schen UnterdrØckung direkt ausgesetzt,

die bisher immer das Vorrecht der Arbei-

terklasse gewesen ist“, so Pierre Juquin.

Sie begreifen, im ontakt mit den produk-

tiven rBften, immer mehr die WidersprØ-

che des apitalismus.

Es ist nicht zu leugnen, dass die Forderun-

gen der Arbeiter in einigen wesentlichen

Punkten mit denen der Studenten zusam-

mentreffen, zum Beispiel nach Mitbestim-

mung und nach dem Sturz des gaullisti-

schen Regimes. Was aber ist nun durch

den gro~en Streik erreicht worden?

Die Regierung hat unter diesem Druck

wichtige onzessionen machen mØssen:

ErhŸhung des Mindestlohnes um 35 Pro-

zent und sBmtlicher LŸhne um Ç Prozent,

weiter eine stufenweise VerkØrzung der

Arbeitszeit; ErhŸhung der Altersrenten

und Familienbeihilfen, Herabsetzung des

Rentenalters.

4ber den Ausbau der gewerkschaftlichen

Rechte in den Betrieben, vor allem des

Rechts zur Einberufung von Arbeiterver-

sammlungen in den Betrieben durch die

Gewerkschaften, wird noch diskutiert. Die

Arbeiter, die ihre Macht entdeckt haben,

werden sich nicht noch einmal bes-

chwichtigen lassen.

In ihrem ampf um bessere Lebensbedin-

gungen haben sie die politische Praxis

geØbt. An der Seite der Studenten und

SchØler haben sie ihre StBrke entdeckt

und ihr Bewusstsein geschBrft. Die Wah-

len haben zwar Gaullisten und Rechtsex-

tremisten gestBrkt, aber die Fronten wer-

den sich verhBrten.

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Anders als Ende der 1960er Jahre sehen

sich heute selbst gesellschaftspolitisch in-

teressierte Akademiker nicht mehr in der

Pflicht eine andere Sprache als die des

Neoliberalismus anzubieten. Doch wer

sein Wissen nicht dazu benutzt, sich selbst

und anderen zur AufklBrung Øber die eige-

nen Interessen und die VerhBltnisse zu

verhelfen, der sollte sich auch nicht darØ-

ber empŸren, dass reaktionBre rBfte den

Menschen eine menschenfeindliche Spra-

che anbieten und dass die Mehrheit wie-

der zum PŸbel wird.

m !orgen des 11½ !ai 1968 in der 0æe að æssa\ Ž d e !onde