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N°169

gerschaft. Leider werden die letzten, übrig

gebliebenen Multiversal-Lehrstätten im-

mer öfter von Hochschulen abgelöst, die

fest in Multiunternehmerhand sind.

Auch die Chancengleichheit beim Einstieg

in die Lernwelt ist nicht überall gegeben,

auch wenn es jetzt schon vereinzelt Aktio-

nen auf dem afrikanischen Kontinent gibt,

bei denen Kinder andere Kinder an der

Hand nehmen und zurück in die Schule

holen. Seit Jahrhunderten hängt es vom

genetischen (innj) und sozialen (aquis) fa-

miliären Umfeld ab, ob und wie Kinder

unterrichtet werden.

Man kann sich ebenfalls fragen, warum es

elitäre Think tanks, also sogenannte

Denkfabriken jedwelcher Couleur gibt,

wenn auf der anderen Seite Weltenlenker

wie Trump, der in seinem Leben höchs-

tens ein Telefonbuch durchblättert hat,

vor mehreren Fernsehschirmen sitzt, auf

denen er das sieht, was er sehen möchte,

um es dann brühwarm in die für ihn eh zu

komplizierte Welt twittert.

Gewissensfreiheit

Nun kann man argumentieren, er sei de-

mokratisch gewählt und auch andere Au-

tokraten wie Putin, Erdogan oder Mugabe,

um nur dieses absolutistische Triumvirat

zu nennen, würden sich regelmäßig wäh-

len oder wie in China von einer devoten

Politkamarilla auf Lebenszeit designieren

lassen. Nun, das dürfte das beste Argu-

ment dafür sein, dass Demokratie ohne

allgemeine Bildung zum Himmel stinkt.

Natürlich wollen die Milliarden Chinesen,

die lange auf ihren Fahrrädern herum-

trampelten und eine mörderische Kultur-

revolution über sich ergehen ließen, nun

endlich auch einen Diesel fahren. Und das

dürfte der Beweis sein, dass der universel-

le Kommunismus mit seinen Internationa-

len weniger schädlich war, als der natio-

nale, bei dem in Russland und unter Mao

Tausende sterben mussten.

Und es war genau diese Universalität, wel-

che die römisch-katholische Kirche störte,

die als einzige der drei Monotheismen ur-

bi et orbi unterwegs ist. Und wie uns die

Physik mit denen uns verschlossenen

schwarzen Löchern lehrt, müssten wir,

wenn wir denn das globale Klimaproblem

der einzigen Erde, auf der wir nun einmal

leben, ernst nähmen, aus unseren Univer-

sitäten endlich Multiversitäten machen.

Doch das dürfte wohl schwerfallen, solan-

ge religiös verbrämte Bürger von Abgän-

gern katholischer Akademien regiert wer-

den, auch wenn sie unheilige Koalitionen

schmieden müssen, um die Mehrheit als

Höchsten Wert der Demokratie zu stellen.

Denn auch wenn sie sich öffentlich nicht

mehr zu einem außerirdischen Wesen be-

kennen, das die Welt an sieben Tagen

schuf, steht ihr Licht unter dem Scheffel.

Warum sonst würden sie am politanachro-

nistischen Hohen C im Namenszug ihrer

Parteien festhalten¶ Und so lange es acht-

bare Kirchenvorsteher gibt, die Gottes

Rechte in Konkurrenz mit denen des ein-

zelnen Menschen sehen, kann man nicht

oft genug dazu aufrufen, Kirche und Staat

zu trennen, wozu in Luxemburg nun end-

lich die Weichen gestellt wurden: „Den

Diks muss awer nach geriicht ginnt“

Denn wie betonte Papst Franziskus vor

den Botschaftern im Vatikan: „Von den

Menschenrechten zu sprechen bedeutet

nämlich für den Heiligen Stuhl vor allem,

immer wieder auf die zentrale Stellung

der Würde des Menschen, der von Gott

gewollt und als sein Abbild ihm ähnlich

geschaffen ist, hinzuweisen. Ihre Voraus-

setzung beziehen sie aus der Natur, die

das Menschengeschlecht objektiv ver-

eint.“

Franziskus folgt damit der römisch-ka-

tholischen Naturrechtslehre, die vom

göttlichen Willen als einer überzeitlichen

Gesetzmäßigkeit in der Welt ausgeht, der

sich der Mensch unterzuordnen hat. Die

göttliche Norm steht demnach über je-

dem positiven Recht und über jedem de-

mokratisch ausgehandelten Vertrag.

Menschenrechte gibt es also nur im Ein-

klang mit christlichen Moralvorstellun-

gen.

Fragt sich, was dies mit unserem Thema

zu tun hatt¶ Nun, viele heutige Intellek-

tuelle wurden von dieser Kirche geschult,

auch wenn sie sich inzwischen nach dem

lateinischen Spruch sapere aude („Wage

es, weise zu sein“), den Kant zur Einlei-

tung der Aufklärung im alten Europa mit

dem Satz „Habe Mut, dich deines eige-

nen Verstandes zu bedienent“ ergänzte,

von ihr emanzipiert haben.

Doch wenn Allgemeinbildung als Sauer-

stoff der Demokratie noch eine Rolle

spielen soll in unserer Gesellschaft, dann

müssen Staat, Schule und Glaubensge-

meinschaften definitiv getrennt bleiben,

damit sie sich nicht weiter gegenseitig

ignorieren oder bekämpfen. Die individu-

elle Gewissensfreiheit, das Kernstück der

Laizität, gibt es nur zu diesem Preis. Und

nur sie kann diese Welt noch rettent

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