ch hoffe nichts. Ich fØrchte nichts.
Ich bin frei!“ -o steht es auf dem
rabstein des gro~en griechischen
-chriftstellers Nikos Kazantzakis
188Î-1xÇ® in Heraklion auf Kre-
ta.
Im RØckblick auf das ahr 201Ç ist uns im
Besonderen das fortschreitende PhBno-
men der Angst aufgefallen. Marx hBtte
vielleicht gesagt: „Ein espenst geht um!“
Und zwar nicht nur die Angst vor Terro-
rismus, Angst die immer wieder in Erinne-
rung gerufen wird, sei es in den Fernseh-
nachrichten, sei es durch die plumpen Be-
tonkltze, die seit neuem unsere Fu~gBn-
gerzonen verzieren. Es gibt zusBtzlich
noch jede Menge andere ngste die viele
Menschen bedrØcken. Es gibt die kono-
misch bedingte Angst, wie die Angst vor
der Altersarmut, von der im reichen
Deutschland fast jeder sechste Rentner be-
troffen ist. Denn wenn in Deutschland et-
wa 80¯ der Befragten angeben, mit dem
„ etzt“ zufrieden zu sein, so geben etwa
È0¯ an zu befØrchten, dass die <ukunft
schlechter sein wird.
ÀLiÌ
Aber rund zur Angst haben nicht nur Bl-
tere Leute, sondern auch junge Menschen.
7ie knnte es anders sein, wenn es in der
EU LBnder gibt, in denen die ugendar-
beitslosigkeit um die x0¯ liegt. Das hei~t,
dass jeder <weite dort keine Arbeit hat.
Auch wenn in unserem kleinen Land der
Prozentsatz sehr viel niedriger liegt, ist es
trotzdem nicht leicht fØr junge Menschen,
einen vernØnftigen Arbeitsplatz zu finden.
VernØnftig hei~t, dass man von der Arbeit
gut leben kann; dass man, falls gewØnscht,
eine Familie grØnden kann. Das ist jedoch
immer weniger sichergestellt. Und was ist
mit jenen, die eine Arbeit haben¶ Da auch
gut gehende Firmen ArbeitsplBtze abschaf-
fen, besteht notgedrungen die Angst, dass
man irgendwann selbst betroffen sein
kann und seinen Arbeitsplatz verliert. Der
gesetzliche -chutz wird ja systematisch
abgebaut; um die 7ettbewerbsfBhigkeit zu
erhalten, hei~t es. Und da, zum Nutzen
der Kapitaleigner Kosten gespart werden
mØssen, herrscht die Angst bei den Ange-
stellten, dass sie bei der nBchsten ehalts-
erhhung leer ausgehen werden. Denn das
moderne Managementsystem sieht vor,
dass nur die „Besten“ bedacht werden.
Das soll angeblich die Leistungssteigerung
anheizen. Das egenteil ist aber oft der
Fall, dadurch dass unter den Mitarbeitern
Argwohn und Neid gesBt wird und die <u-
sammenarbeit darunter leidet.
Am Ende entscheidet oft, ob man dem
Vorgesetzten angenehm auffBllt. Kon-
struktive interne Kritik kann dabei schon
stren. Deshalb lieber den Mund halten.
Dagegen hilft es sicher, Mitglied im glei-
chen Verein zu sein wie der hef, die glei-
chen <eitungen zu lesen, somit die glei-
chen politischen Meinungen zu vertreten.
All dies untergrBbt das Freisein. Aber auch
die hefs sind Druck ausgesetzt. In dem
unerbittlichen Konkurrenzkampf der glo-
balisierten 7elt will man sich schØtzen.
Dazu gibt es verschiedene Vereinigungen;
einige werden korrekterweise -ervice
lubs genannt, in denen die Mitglieder
sich Dienste leisten. Doch auch da
herrscht der Druck der Anpassung. Nicht
jeder ist bereit, eine Meinung zu Bu~ern,
die dem Konsens in wichtigen Punkten
widersprechen knnte.
idi
Und als wØrde diese Angst nicht ausrei-
chen, haben wir unsere Massenmedien,
die das Ihre dazu beitragen, dass von Ent-
spannung keine Rede sein kann. Ob es
nun Trump ist, oder ein egenspieler von
ihm, uns ist in der Regel nicht wohl bei
dem, was in deren Handeln hineininter-
pretiert wird. Und das ist nur zu verstBnd-
lich, denn Kriege, bis zum Atomkrieg, sind
nicht dazu angetan, eine weihnachtliche
-timmung zu erzeugen. Putin muss dazu
herhalten, unsere osteuropBischen NATO-
LBnder in Angst und -chrecken zu verset-
zen. Als probates egenmittel wird emp-
fohlen nicht etwa vertauensbildende Ma~-
nahmen, sondern massive, militBrische
AufrØstung. Das eld fØr die RØstungsin-
dustrie muss aber irgendwo herkommen.
Es kommt von Einsparungen, die wieder-
um den sozialen Druck auf die Menschen
erhhen und die Angst vor der <ukunft
ansteigen lassen. -omit wird Angst vor Pu-
tin zum Teil in soziale Angst umgewandelt
und die Menge an Angst wird mit -icher-
heit dadurch nicht verringert. Und somit
wird zusBtzlich Ablehnung und Angst ge-
genØber anderen Menschengruppen gefr-
dert. Denken wir an die Ablehnung der
<uwanderer in Frankreich, oder der
FlØchtlinge in Deutschland, wenn nicht in
der ganzen EU. Neben den Russen mØs-
sen auch die ach so zahlreichen hinesen
schon seit ahrzehnten herhalten, um uns
Angst einzuflssen. Das ist heute umso
einfacher, als die hinesen das -piel des
Kapitalismus bestens von uns gelernt ha-
ben und dem Meister in vielem voraus
sind.
Die unangefochtene Feststellung, dass un-
ser esellschaftssystem dabei ist, unseren
Planeten immer unbewohnbarer zu ma-
chen, trBgt auch eher zu einer getrØbten,
wenn nicht gar verBngstigten -timmung
bei.
/iÀÀoÀ
An prominenter -telle bei den Angstverur-
sachern steht aber immer noch die Angst
vor dem Terrorismus, und zwar vor dem
islamistischen Terrorismus.
leich nach
dem 11. -eptember 2001 wurde uns mitge-
teilt, dass ab nun die 7elt nicht mehr die
gleiche sein wØrde. Und esetze, die die
menschlichen Rechte immer tiefer ein-
schrBnken, wurden aus der -chublade ge-
zogen und umgesetzt. -eitdem wird das
-piel in regelmB~igen AbstBnden in unse-
ren LBndern fortgesetzt. Haben die e-
heimdienste wBhrend ahren, absolut ille-
gal, Menschen bespitzelt, d.h. kontrolliert
und unter Druck gesetzt¶ 7as soll’s! Die
esetze werden nachtrBglich angepasst
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Die Angstc íon Edíard Munchc¯t¤
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