edes ahr, auf der -chwelle zum
nBchsten, im Monat anuar, dem
Mond des doppelgesichtigen a-
nus’, wird gerne nach hinten und
nach vorne geschaut. Keine Pro-
jektion ohne Reflexion. Keine
<ukunft ohne Herkunft. Und so in etwa
sollte auch das verflossene ahr im Interes-
se des kommenden bewertet werden.
Denn eins ist sicher: FrØher war nicht al-
les besser, doch scheint der Mensch mit
allen Fortschritten die noch fehlenden mit
gefBhrlicher -ehnsucht zu vermissen.
In <eiten, in denen Menschen wie der
neureiche sexistische Narzisst Donald
Trump sich Øber ein ahr an der -pitze der
bisher als mBchtigsten Nation angesehe-
nen Vereinigten -taaten von Amerika hal-
ten kann, mchte ich als politische Bilanz
lediglich bemerken, dass sich vor dem
Berliner Mauerfall kapitalistische und
kommunistische Diktatoren die 7aage
hielten, wBhrend die korrupten Land- und
7arlords von heute lediglich in die pluto-
kratische -chublade passen.
Das einzig Positive, das ich diesem Tram-
peltier mit der Frisur aus Entenhausen ab-
gewinnen kann, ist die Tatsache, dass es
mit seiner erusalem-Resolution den
schmalsprechenden -malltalk® Politikern
im Mainstream sowohl aus dem westli-
chen wie dem arabischen Lager, die die
PalBstinenser jahrzehntelang mit schnen,
doch leeren Versprechungen hinhielten,
den -piegel ihrer Hypokrisie vorhielt. Und
das zeigt wohl, dass sie nichts Besseres
verdienen. Oder¶
Doch kommen wir zu einem komplexeren
Thema, das auch in Friedenszeiten, diesen
aneinander gereihten 7affenstillstBnden,
unsere westliche <ivilisation seit ahrhun-
derten zersetzt. emeint ist unser Umgang
mit der -exualitBt, diesem fØr das 4berle-
ben unserer menschlichen -pezies unab-
dinglichen eschlechtsverkehrs, der nicht
nur als Aufgabe sondern auch als Lust da-
herkommt.
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diÀ 7a À i̺
7aren noch in meiner ugend Tabus an
der Tagesordnung, wie wir sie nur vom
Herrgott kannten, von dem wir uns kein
Bild machen durften, so glaubt man sich
heute beim Betrachten eines einschlBgigen
Pornofilms wie in einem Fleischerladen, in
dem die Krper in ihre Einzelteile zerlegt
werden. Platz fØr antizipierende Phantasie
gibt es hier keine mehr. Auch nicht in den
sogenannten sexpositiven Pornos.
Doch glØcklicherweise diskutiert die u-
gend heute darØber. -o haben die Tage-
blatt-Redakteure Anne -chaaf und eff
-chinker eine sachliche Auseinanderset-
zung mit dem Thema Pornografie ange-
kØndigt resp. ein interessantes esprBch
mit dem jungen Autor Edouard Louis ge-
fØhrt, der extrem autobiografisch „ e
n’avais pas le luxe de la fiction“® Øber
Missbrauch,
ewalt und ihre <yklen
schreibt.
-eine Figur, um nicht zu sagen sein Dop-
pelgBnger Eddy Bellegueule stammt aus ei-
ner Brmlichen Familie, die von mBnnlicher
Dominanz, Alkoholismus und Rassismus
geprBgt ist. 7enn er dann von dessen
-chwester schreibt, die geschlagen und
missbraucht wird, will er nicht hren, es
sei gleichgØltig, ob das nun wahr ist oder
nicht, da er auch als Literat von einer
„Ethik der 7ahrheit“ getrieben sei.
Als erichtschronist im reichen Luxem-
burg ist man immer wieder mit geschlage-
nen -chlBgern und vergewaltigten Verge-
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