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11

cce£t aiƒu

N°165

Denn mit dem Ersten 7eltŽrieg und der

darauffolgenden Pandemie der Spani-

schen rippe hatten nicht nur Millionen

Menschen ihr Leben gelassen, er hatte

auch, nach zÜei gescheiterten Versuchen

Øber das nominell Üeiterbestehende Ÿ-

nigreich 1ngarn im ahre £™Ó£, die È3ä-

jBhrige errschaft des auses absburg-

Lothringen beendet.

Im runde lButete dies die eburtsstunde

der Nationen in Europa ein, die sich da-

nach nur noch Verfassungsmonarchien

leisteten, die von England bis SchÜeden

mehr oder Üeniger machtlos sind. Dass

diese den Prozess der Definition nationa-

ler IdentitBt positiv beeinflussen ŽŸnnen,

ist sogar fØr einen RepubliŽaner unleug-

bar.

Nicht zu leugnen auch die Tatsache, dass

der CharaŽter einer Nation vor allem in

risenzeiten geprØft und die gemeinsame

IdentitBt gestBrŽt Üird, Üie dies bei ro~-

herzogin Charlotte der Fall Üar, die im

<Üeiten 7eltŽrieg trotz, oder gerade Üe-

gen ihrer AbÜesenheit Üie Maria Consola-

trix, die TrŸsterin der etrØbten verehrt

Üurde.

ÕthentiâitBt statt

WerLÕn}

1nd um dieses efØhl der geeinten Nati-

on aufrechtzuerhalten, darf das Staats-

oberhaupt nie auch nur den leisesten Ein-

drucŽ vermitteln, es ÜBre nicht der Souve-

rBn aller Luxemburger, Üie das beim zŸ-

gerlichen Verhalten von ro~herzog en-

ri der Fall Üar, als er das von den Abge-

ordneten abgesegnete Euthanasie- esetz

unterschreiben sollte.

Denn die raft einer gut definierten natio-

nalen „MarŽe“ liegt in der AuthentizitBt

ihrer FØhrung und Üeniger in teuren 7er-

beslogans à la „Let’s maŽe it happen“ ge-

paart mit

ling- ling-Simulation. 7er

nBmlich glaubt, 1nternehmensberater

ÜØrden 1nternehmen beraten, glaubt

auch, <itronenfalter ÜØrden <itronen fal-

ten!

Diese durch PR- ampagnen beliebig aus-

tauschbare „MarŽe“ darf nicht mit dem

CharaŽter eines VolŽes verglichen Üer-

den, durch den der SocŽel der nationalen

IdentitBt Øberhaupt erst entsteht. Selbst-

verstBndlich gehŸren auch ult(ur) und

Erziehung zu den austeinen des nationa-

len Parnasses.

7enn aber ein Land sagt, es stØnde fØr

Frieden, unterhBlt aber Üegen der saŽro-

sanŽten ArbeitsplBtze eine blØhende RØs-

tungsindustrie, dann verŽommt die „Mar-

Že“ zum FaŽe. 1nd so lange die fØnf per-

manenten 1N-Sicherheitsratsmitglieder

gleichzeitig die grŸ~ten 7affenhBndler der

7elt sind, liegt beim Peace- randing noch

vieles im Argen.

Nicht so in NorÜegen, das nach den er-

schrecŽend extremistischen eÜalttaten

eines vermeintlich ehrenhaften, im Ab-

grund seines 7esens aber eher ehrenrØhri-

gen Mitglieds seiner emeinschaft, Ein-

heit und ruhige 7Ørde seiner Ørger und

die Entschlossenheit deren FØhrung unter

eÜeis stellte.

Die unmittelbare ReaŽtion der Regierung,

der ŽŸniglichen Familie und der zivilen

rBfte auf den AmoŽlauf von Anders eh-

ring reiviŽ Üar ein inÜeis auf NorÜe-

gens grundlegendes VerstBndnis von sich

als Nation und, ob beÜusst oder nicht, ein

gutes eispiel fØr die raft und 7irŽsam-

Žeit einer Žlar verstandenen nationalen

„MarŽe“.

emoŽratie statt

eÜat

Nach dieser Üahnsinnigen Tat versicherte

MinisterprBsident ens Stoltenberg der

norÜegischen Ørgerschaft, dass das Land

„fest fØr die Verteidigung seiner 7erte ei-

ner offenen, toleranten und integrativen

esellschaft“ stehen ÜØrde. O-Ton: „Die

AntÜort auf eÜalt ist mehr DemoŽratie,

Offenheit und politische eteiligung.“

Aus dem ontext gerissen, ŽŸnnte man

die IdentitBt der norÜegischen Nation mit

einer offenen, toleranten und integrativen

emeinschaft umschreiben, die eine stBn-

dige Abneigung gegen radiŽale und rechts-

gerichtete Polarisierung zeigt und mit

ÜerŽtBtiger Liebe in vielen Friedensver-

handlungen auf der ganzen 7elt involviert

ist.

anz zu schÜeigen von der Tatsache, dass

der ÜeltÜeit Üohl beŽannteste und mit

neun Millionen SchÜedischen ronen do-

tierte Friedenspreis seit £™ä£ jedes ahr am

Todestag von Alfred Nobel (£ä. Dezem-

ber) im gleichnamigen Institut in Oslo ver-

geben Üird. Man ŽŸnnte also behaupten,

NorÜegen habe den Frieden gebrand-

marŽt.

Nach Ma~gabe des noblen Stifters, dem

chemischen raumeister des von ihm pa-

tentierten Dynamits, soll der Friedenspreis

an den vergeben Üerden, „der am besten

auf die VerbrØderung der VŸlŽer und die

Abschaffung oder Verminderung stehen-

der eere soÜie das Abhalten oder die

FŸrderung von FriedensŽongressen hinge-

ÜirŽt hat.“

FØr die Vergabe ist, im egensatz zu den

anderen PreisŽategorien des Nobelpreises,

Žeine schÜedische Institution zustBndig,

sondern ein vom norÜegischen Parlament

bestimmtes fØnfŽŸpfiges omitee, ÜesÜe-

gen der Preis auch als einziger unter den

Nobelpreisen nicht in StocŽholm sondern

in der norÜegischen auptstadt verliehen

Üird.

Doch obÜohl eine Žlar definierte nationa-

le IdentitBt den unmittelbaren edØrfnis-

sen eines Landes in einer rise von Chaos

und eÜalt nicht unmittelbar dient, hat

das jØngste, beispielhafte Verhalten Nor-

Üegens in einer aŽuten risensituation ge-

zeigt, Üie mBchtig eine gestandene Nation

sein Žann, die unter einheitlicher IdentitBt

unterÜegs ist.

eir Lundestad, DireŽtor des Nobel-Insti-

tuts, fasste ŽØrzlich in einem IntervieÜ zu-

sammen: „Diese unvorstellbaren Angriffe

haben unseren nationalen CharaŽter he-

rausgefordert, aber sie Üerden unsere Ei-

genschaften Offenheit, DemoŽratie und

leichheit nicht verBndern ŽŸnnen. Sogar

unser Ÿnigshaus zeigt, dass es zu uns ge-

hŸrt.“

/hera«ie statt

/odesstrave

ein 7under, dass die NorÜeger nicht im

Traum daran denŽen, in ein Land auszu-

Üandern, in dem ein Irrsinniger Üie Do-

nald Trump geÜBhlt Üerden und sich

dann auch noch Øber ein ahr im Amt hal-

ten Žann. Eine einst offene und einladen-

de Nation, die heute, fØr mich persŸnlich,

zur No- o-Area verŽommen ist.

Eine fest definierte und verstBrŽte nationa-

le IdentitBt Üie in NorÜegen gilt als eil-

mittel fØr alles, Üas eine Nation ŽranŽ ma-

chen Žann Üie Angst und ass, die seit

Nine Eleven die ganze 7elt in Atem hal-

ten. Sie stBrŽt ebenfalls den lauben der

Ørger an die metaphorischen onstruŽte,

die ihren olleŽtivitBten Ordnung geben

ŽŸnnen.

Selbst der eneralseŽretBr des Islami-

schen Rates von NorÜegen, Mehtab Afsar,

meinte nach dem Terrorattentat von rei-

viŽ: „Religion, EthnizitBt, Farbe Üerden in

den intergrund treten. Die norÜegische

IdentitBt Üird gestBrŽt. 7ir stehen Schul-

ter an Schulter mit unseren christlichen

rØdern und SchÜestern in NorÜegen.“

CharaŽter, national oder individuell, ist in

der rise geschmiedet, und ist sicherlich

nicht ohne Fehler. NorÜegen hat gezeigt,

dass ein Land seinen CharaŽter ? auf allen

Ebenen ? zu seinem gro~en Vorteil nutzen

Žann. NorÜegens unmittelbare ReaŽtion

auf diesen Terror Üar authentisch, man

ŽŸnnte auch behaupten typisch norÜe-

gisch.

Sie Üar aber auch zu einem nicht geringen

Teil auf ein Land und ein VolŽ zurØcŽzu-

fØhren, die im runde Üissen, Üer sie

sind. 1nd erst dann Žann man sich den

heutzutage etÜas selbstherrlich arrogant

Žlingenden Slogan „Mir Üllle bleiÜen Üat

mir sinn“ leisten. Die 1n-7elt ŽŸnnte je-

denfalls etÜas vom eispiel NorÜegens

lernen.

Doch auch die E1 hat im onfliŽt mit Er-

dogans TØrŽei Žlare 7orte gefunden: Ein

Land, das auch nur mit dem edanŽen

spiele, die Todesstrafe ÜiedereinzufØhren,

hBtte Žeinen Platz in ihrer Mitte. DarØber

sollten die Vereinigten Staaten nachden-

Žen - Üenn sie erst einmal die 7unden der

debilen Trump- errschaft gelecŽt haben.