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die zickige Rück-
nahme der von sei-
nen Vorgängern un-
terzeichneten Han-
delsabkommen
juckt diese Kon-
zerne nicht, die ihre
Tentakel längst über
die gesamte Welt
ausgebreitet haben.
Fragt sich nur, wie
lange seine Berater
wohl brauchen wer-
den, die Weichen im
Weißen Haus so zu
stellen, um diesen
postpubertären Nar-
zissten und neurei-
chen Immobilien-
händler auf ein poli-
tisches Gleis zu be-
kommen, das der
Verantwortung des
von ihm besetzten
Hohen Amtes in etwa entspricht. Und hier
meinen wir nicht die seiner Modelleisen-
bahn, die der ewige Spieler in ihm sicher
überall mitnimmt, sondern die der Vander-
bilts, Carnegies und Harrimans.
Es stellt sich überhaupt die Frage, ob ein
Mann mit derart niedrigem Realitätssinn
sich im Klaren ist, in welcher Situation er
sich seit seiner Wahl zum Präsidenten der
Vereinigten Staaten befindet. Es ist über-
haupt bedenklich, dass militante Despoten
wie Napoleon immer wieder unter völki-
schem Gelächter den symbolträchtigen
Thron als mit Samt überzogene Holzkons-
truktion lächerlich machen können und
gleichzeitig die Welt mit blutigen Kriegen
überziehen.
Das soll natürlich kein Freiheitsbrief für
längst überfällige feudale Herrschaftsver-
hältnisse sein, mit denen Großbritannien,
und hier vor allem die „City of London
Corporation“ und das Commonwealth die
Wellen wieder beherrschen wollen. Der
toupierte Mieter im Weißen Haus hat sich
schon zum Ritt gegen den konkurrieren-
den Euro als Knappe angeboten. Hoffent-
lich feiern die Europäer vom alten Konti-
nent diesen Überfall nicht wieder als große
Befreiung.
È3he bl¨nd Di\tat¨rÉ
Denn wenn man sich die umstrittene In-
vestiturfeier von Trump und seinem Fami-
lienclan noch einmal genauer anschaut, die
trotz Zuschauermangel an Chaplins Film
„The Dictator“ erinnerte, dann hat die des-
potische Megalomanie das Atlantikufer ge-
wechselt. Und man kann nur hoffen, dass
das die ehrlichen Europäer vom Kontinent
zusammenschweißt und nicht in die
Hände der rechtsextremen Schergen dieses
Mannes treibt, die überall Morgenluft
schnuppern.
Denn wenn in den Tiefen der Vereinigten
Staaten wieder Mitglieder des rassistischen
und gewalttätigen Ku-Klux-Klan mit ges-
chwellter Brust und gestärktem Selbstbe-
wusstsein durch die Straßen marschieren,
dann ist das auf deren Wähler zurückzu-
führen. Dies sollten auch die sicher allzu
vielen Zukurzgekommenen bei den Wah-
len in Holland, Frankreich und Deutsch-
land bedenken, bevor sie die Kabine betre-
ten und dann ihren Zettel in die Urne wer-
fen.
Denn die Feschen des Faschismus sind
nur solide, wenn das Reisig nicht schon
vorher gebrochen wurde. Der Einzelne ist
nämlich nur frei, wenn die von ihm ge-
währte Mehrheit ihn respektiert. Alles an-
dere ist ein mafiöses Theater wie in Afrika,
das unter Aufsicht der neuen Kolonialher-
ren, die wir in unserem vorigen Kulturis-
simo-Beitrag über Offshore-Politik bes-
chrieben hatten, aufgeführt wird: Schein-
demokratie mit wenig Chance auf friedli-
chen Machtwechsel.
Doch sollte Tweeter Trump in seiner stu-
piden Überheblichkeit den falschen Män-
nern, nämlich den Währungshütern,
Münzprägern und Gelddruckern, auf die
Zehen steigen, dann könnte sein New-9or-
ker Nachbar aus dem Rockefeller Center
den Daumen nach unten drehen. Und
dann müsste er sich warm anziehen unter
seiner langen roten Krawatte, die zum fata-
len Strick werden könnte. Auch wenn man
an der Wall-Street heute nicht mehr aus
den Fenstern springt.
Wie in den Fällen Lincoln und Kennedy
gesehen haben diese Jungs ihr eigenes Sze-
nario eines Amtsenthebungsverfahrens,
auch wenn sie sich dabei auf bewährte
staatliche Apparate verlassen können, die
schon Männer wie Mohammad Mossa-
degh oder Salvador Allende zum Teufel
schickten, um nur diese zu nennen. Auch
sie hatten das Heiligste geschändetÆ den
institutionellen Besitz - von dem der Pri-
vatmann Trump bisher nur die Krümel ab-
kriegte. Ohne überheblich zu werden ist
der Rückzug Trumps auf nationale Positio-
nen aber auch die Chance für das vereinte
Resteuropa endlich die Rolle im globalen
Zirkus zu spielen, die ihm eigentlich zu-
kommt. Doch müsste es dazu die gemein-
same Geschichte und die daraus entstan-
denen inneren Widersprüche endlich über-
winden und Deutschland die Rolle spielen
lassen, die es sich durch eine beispielhafte
Demokratisierung nach dem Krieg verdient
hat.
Geeins\ha|t æss
íerdient îerden
Denn mit dem von Donald Trumps Phan-
tasmen beschleunigten Verlust an Freiheit,
Rechtsstaatlichkeit und Chancengleich-
heit, durch die seit Menschengedenken
Millionen gut ausgebildete und leistungs-
bereite Einwanderer angezogen wurden,
sind die Vereinigten Staaten von Amerika
dabei, nicht nur ihre Wirtschaftsmacht,
sondern auch ihre moralisch ethische Füh-
rungsrolle in der Welt zu verlieren.
Wenn Trump dann auch noch mit dem
Gedanken spielt, einen Botschafter nach
Europa zu schicken, der den Brexit und
den Untergang des Euro preist, dann
braucht sich der alte Kontinent wohl kaum
noch dem alten transatlantischen Bündnis
verpflichtet zu fühlen und könnte einfach
wieder sein Schicksal selbst in die Hand
nehmen. Wetten, dass dies hinter dem At-
lantik Kopfzerbrechen bereiten würde!
Denn über eins sollten sich die Nachfah-
ren der Washingtons, Adams, Hamiltons
und Jeffersons ein für allemal klar sein,
wenn sie heute wieder Großbritannien hul-
digen: Sie sind Auswanderer, die vom Ve-
reinigten Königreich kolonisiert und schi-
kaniert wurden, bis sie sich in einem Unab-
hängigkeitskrieg befreiten, der ihnen viele
Opfer abverlangte. Vom Sezessionskrieg
unter Brüdern ganz zu schweigen.
Und wie die insulären Briten mit der idio-
tischen Brexit-Wette zweier verwöhnter
Oxford-Schüler aus pseudoaristokrati-
schen Kreisen jüngst wieder bewiesen,
scheinen sie keine ehrliche, auf Gegensei-
tigkeit aufgebaute Gemeinschaft mit ande-
ren Staaten verdient zu haben. Doch auch
die Mikrostaaten, die die Großen mit ihrer
Steuerdumping-Nischenpolitik nerven,
müssen künftig den Schalter umlegen,
wenn Resteuropa eine Chance haben will,
den US-Hegemon abzuwimmeln.
Denn wenn eines klar sein dürfte, dann
die Tatsache, dass der Alte Kontinent
Trump nicht ernst nimmt, weshalb der
Dummy die Union vernichten möchte. Da-
bei wird er die Schlange „join or die“ wie-
der in ihre Bestandteile zerlegen. Die Welt,
wie sie Trump gefällt eben ...
Benamin Franklins Kolonialschlange der 9ernunft




