kulturissimo: Marcus osch, Sie sind
seit 200¤ künstlerischer Direktor der
Opernfestspiele Heidenheim. Eine Po-
sition, die sie zusEtzlich zu ihrer Stelle
als MD am Staatstheater Nürnberg
übernommen haben. Worin besteht für
Sie der /eiz der Opernfestspiele Hei-
denheim?
Marcus Bosch\ Der Reiz ist ganz klar das
Festival selbst. Wie bei jedem Festival kann
man hier in einem ganz anderen Ambiente
arbeitenÆ die Atmosphäre und die Arbeits-
weise sind sehr verschieden von denen an
einem Opernhaus. Und mich interessiert
der Spagat, einerseits publikumsorientiert
zu arbeiten und andererseits, neue, experi-
mentelle Dinge auszuprobieren. Dabei le-
gen wir natürlich einen besonderen Wert
auf anspruchsvolle Produktionen in der be-
sonderen Location in Heidenheim, für die
wir dann auch avancierte Regisseure enga-
gieren. Anders als das bei Produktionen am
Opernhaus möglich ist, versuchen wir alle
Mitwirkenden so auszusuchen, dass sie zu
unserem Projekt passen und es mittragen.
„k.“: Nach welchen esichtspunkten
stellen Sie denn das Programm zusam-
men?
M.B.\ Wie schon gesagt, sehr wichtig für
uns ist es, dass die Opernfestspiele Heiden-
heim ein populäres Festival bleiben. Ein
populäres Festival, das allerdings mit inno-
vativen Produktionen und einem hohen
Niveau allen künstlerischen Ansprüchen
Rechnung tragen soll. Eine andere Achse
ist das Orchester, das mit acht ersten Gei-
gen ein tÞpisch klassisch besetztes Orches-
ter ist. Unsere Cappella Aquileia, wie das
Festspielorchester heißt, definiert dann
auch das Repertoire. Im sÞmphonischen
Bereich erarbeiten wir uns momentan die
Werke von Robert Schumann und Johan-
nes Brahms, im Bereich der Oper steht der
frühe Verdi im Mittelpunkt. Ich denke,
eine unserer Stärken liegt darin, dass wir
mit hochkarätigen Produktionen eher un-
bekannter Werke punkten können. Und
wenn sie sich unsere Auslastung ansehen,
die bei nahezu 100¯ liegt, so zeigt das
doch, dass das Publikum neugierig und
durchaus offen für Neues ist.
„k.“: WEhrend des Festivals gibt es
auch eine Produktion für Kinder und
ugendliche. Das zeigt doch, dass man
auch ein jüngeres Publikum durchaus
für Oper begeistern kann.
M.B.\ Ja, diese Jugendprogramme haben
wir schon länger im Gepäck und wir versu-
chen nun, sie zu intensivieren. Das Inte-
resse und der Zulauf sind enorm. Ich
glaube sogar, für dieses Jahr sind alle drei-
zehn Vorstellungen von Tortuga bereits
ausverkauft. Wie der Titel sagt, handelt es
sich um ein Piratenstück. In jedem Jahr
versuchen wir, einen Bezug zum Haupt-
werk, in diesem Jahr Richard Wagners Der
fliegende Holländer, herzustellen. Wir sind
auch sehr froh darüber, dass die Schulen in
Heidenheim mit uns zusammenarbeiten
und die Kinder sehr gut auf die Vorstellung
vorbereiten. Das Interesse der Kinder ist
da, aber es ist irgendwie traurig, dass in den
letzten Jahren die Fächer Kunst und Musik
quasi aus dem Schulprogramm verbannt
worden sind. Momentan konzentrieren wir
uns auf die Stadt Heidenheim, wir wollen
aber in Zukunft auch die Schulen und Kin-
der aus der ländlichen Region um Heiden-
heim miteinbinden.
„k.“: In diesem ahr steht neben dem
Fliegende HollEnder auch die unbe-
kannte Verdi-Oper 4n iorno di /egno
auf dem Programm. Was darf sich das
Publikum erwarten?
M.B.\ Ich will natürlich nicht zu viel ver-
raten. Wir werden den Holländer in der
Fassung ohne Erlösungsmotiv spielen. Un
giorno di Regno ist neben Falstaff Verdis
einzige komische OperÆ im Gegensatz zu
Oberto, den wir im Vorjahr aufgeführt ha-
ben, geht Verdi hier noch einen Schritt in
Richtung Donizetti zurück und bringt auch
wieder das Cembalo mit ins Spiel Was jetzt
die Verdi Opern generell betrifft, so wollen
wir die ersten neun zur Aufführung bringen
und berufen uns jeweils auf die Auffüh-
rungstradition mit kleiner Besetzung. Da-
rüber hinaus bin ich sehr glücklich, zwei so
großartige Regisseure wie Georg Schmied-
leitner für den Holländer und Barbora Ho-
r?kov? JolÞ für Un Giorno di Regno.
„k.“: Im letzten ahr hat gerade Verdis
Frühwerk Oberto in Heidenheim einen
regelrechten 2riumph erlebt. 2rotz-
dem, ist es für ein kleines Festival wie
das Ihre nicht ein /isiko, gerade solche
unbekannten Opern in seinen Mittel-
punkt zu stellen?
M.B.\ Also zuerst einmal waren wir selbst
von diesem Erfolg überrascht. Aber es zeigt
doch, dass es beim Publikum noch etwas
sehr Wichtiges vorhanden ist\ Es gibt sie
nämlich noch, die Tradition des En-
tdeckenst Und das stimmt uns optimis-
tisch. Ich denke, für diesen Erfolg sind ei-
nerseits die wunderbaren Sänger, aber
auch die hervorragende Regiearbeit von
Tobias HeÞder verantwortlich. Wer die
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