Ihr Wagen parkte in einer Seitenstraße, vor
einer Metzgerei. Es war kurz nach eins, der
Laden hatte geschlossen. Das Richtige für
sie gäbe es dort sowieso nicht zu kaufen.
Bevor sie den Motor anließ, rief Vera ihre
Mutter an. Deren Stimme hörte sich flach
an.
“Ist etwas passiert?», fragte Vera.
Keine Reaktion.
Dann\ “Na, was wohl?»
Die Mutter schien ein Schluchzen zu un-
terdrücken.
“Kommt», munterte die Tochter sie auf.
“Es ist alles in Ordnung.»
BettÞ, Veras beste Freundin, hob nicht
ab. Sie hinterließ keine Nachricht auf der
Mailbox. Sie nahm sich vor, es später noch
einmal zu versuchen, vielleicht.
Kurz darauf fuhr sie los. Die Ampel an
der großen Kreuzung stadtauswärts sprang
auf Rot. Erste Regentropfen. Genau gege-
nüber, an einer Fassade voller hässlicher
grauer Schleier, blinkte eine von flackern-
den Sternchen umrahmte Neonröhre mit
dem Schriftzug Asia Delight. Noch bevor
es grün wurde, nahm der Regen zu. Die
Scheibenwischer schalteten sich von selbst
ein. Vera bückte sich ein wenig nach vorn,
um die Situation besser einschätzen zu
können. Ein Stück weit die Straße hinunter
schien es einen freien Parkplatz zu geben.
Es sei denn, es handelte sich um eine Hau-
seinfahrt, was aus der Entfernung nicht ge-
nau auszumachen war.
Nach mehreren Anläufen stand der Wa-
gen an der richtigen Stelle. Für einen kur-
zen Moment lehnte Vera die Stirn gegen
das Lenkrad, das sich kalt und schal an-
fühlte.
Im Kofferraum lag ein Schirm, immer.
Für alle Fälle. Mit großen Schritten eilte
Vera in Richtung Asia-Imbiss. Dort ange-
kommen, hielt sie enttäuscht inne. Ein
schlichter Raum mit zwei Tischen, einer
Glastheke und dahinter die Kochstelle, die
nicht sonderlich sauber wirkte. Zudem
stand, trotz der feuchten Kälte, die Ein-
gangstür offenÆ ein hölzerner Keil steckte
zwischen dem Türblatt und dem rissigen
Linoleumboden. Eine weitere Tür führte
nach hinten, auch sie einen Spalt breit
geöffnet. Es war unangenehm kühl in dem
winzigen, karg eingerichteten Restaurant.
Es roch nach verbranntem Fett und über-
gelaufener Kokosmilch. Und es herrschte
Durchzug. Der Mann, der an den Töpfen,
Pfannen und Woks hantierte, trug eine
Jacke aus BallonseideÆ seine Baumwoll-
hose war Teil eines anderen Trainingsan-
zugs. Er sah seine Kundin schräg von der
Seite an, als diese nach kurzer Überlegung
gebratene Nudeln mit Ei und Hähnchen-
fleisch bestellte.
“Und ein Mineralwasser, bitte», fügte
Vera hinzu.
“Kein Wasser», erwiderte der Imbissbe-
treiber. “Nur Bier, Cola und Tee.»
Vera entschied sich für eine Dose Eistee
mit Pfirsichgeschmack. Die halbe Sitzflä-
che des Stuhls reichte ihr. Den nassen
Schirm legte sie auf den Boden neben ihre
Füße. Dort bildete sich imNu eine Pfütze.
Die Tischplatte klebte noch von Veras
Vorgängern. Holzstäbchen mussten extra
bezahlt werden. Aus drei nebeneinanders-
tehenden Gasherden schlugen Flammen
empor. An der Wand über Veras Tisch hing
ein Foto der Halong-Bucht im Sonnenun-
tergang. Ansonsten keinerlei Dekoration.
Aber am unteren Rand des Bildes waren
festgetrocknete Spritzer von Suppen oder
Saucen auszumachenÆ das Papier des grob-
körnigen Abzugs hatte sich an den Ecken
leicht eingerollt.
Vorsichtig setzte Vera die Getränkedose
an. Zuerst schmeckte der Eistee erfri-
schend. Dann legte sich ein unangenehmer
Hauch Zucker auf Zunge und Gaumen.
Die Pfirsiche mussten überreif gewesen
sein, als sie verarbeitet wurden.
Vera schaute ein paar Mal neugierig zur
Theke hinüber. Der Koch in der Trainings-
jacke drehte ihr den Rücken zu, so dass sie
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Foto: Susanne aspers
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