Previous Page  10 / 32 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 10 / 32 Next Page
Page Background

Ihr Wagen parkte in einer Seitenstraße, vor

einer Metzgerei. Es war kurz nach eins, der

Laden hatte geschlossen. Das Richtige für

sie gäbe es dort sowieso nicht zu kaufen.

Bevor sie den Motor anließ, rief Vera ihre

Mutter an. Deren Stimme hörte sich flach

an.

“Ist etwas passiert?», fragte Vera.

Keine Reaktion.

Dann\ “Na, was wohl?»

Die Mutter schien ein Schluchzen zu un-

terdrücken.

“Kommt», munterte die Tochter sie auf.

“Es ist alles in Ordnung.»

BettÞ, Veras beste Freundin, hob nicht

ab. Sie hinterließ keine Nachricht auf der

Mailbox. Sie nahm sich vor, es später noch

einmal zu versuchen, vielleicht.

Kurz darauf fuhr sie los. Die Ampel an

der großen Kreuzung stadtauswärts sprang

auf Rot. Erste Regentropfen. Genau gege-

nüber, an einer Fassade voller hässlicher

grauer Schleier, blinkte eine von flackern-

den Sternchen umrahmte Neonröhre mit

dem Schriftzug Asia Delight. Noch bevor

es grün wurde, nahm der Regen zu. Die

Scheibenwischer schalteten sich von selbst

ein. Vera bückte sich ein wenig nach vorn,

um die Situation besser einschätzen zu

können. Ein Stück weit die Straße hinunter

schien es einen freien Parkplatz zu geben.

Es sei denn, es handelte sich um eine Hau-

seinfahrt, was aus der Entfernung nicht ge-

nau auszumachen war.

Nach mehreren Anläufen stand der Wa-

gen an der richtigen Stelle. Für einen kur-

zen Moment lehnte Vera die Stirn gegen

das Lenkrad, das sich kalt und schal an-

fühlte.

Im Kofferraum lag ein Schirm, immer.

Für alle Fälle. Mit großen Schritten eilte

Vera in Richtung Asia-Imbiss. Dort ange-

kommen, hielt sie enttäuscht inne. Ein

schlichter Raum mit zwei Tischen, einer

Glastheke und dahinter die Kochstelle, die

nicht sonderlich sauber wirkte. Zudem

stand, trotz der feuchten Kälte, die Ein-

gangstür offenÆ ein hölzerner Keil steckte

zwischen dem Türblatt und dem rissigen

Linoleumboden. Eine weitere Tür führte

nach hinten, auch sie einen Spalt breit

geöffnet. Es war unangenehm kühl in dem

winzigen, karg eingerichteten Restaurant.

Es roch nach verbranntem Fett und über-

gelaufener Kokosmilch. Und es herrschte

Durchzug. Der Mann, der an den Töpfen,

Pfannen und Woks hantierte, trug eine

Jacke aus BallonseideÆ seine Baumwoll-

hose war Teil eines anderen Trainingsan-

zugs. Er sah seine Kundin schräg von der

Seite an, als diese nach kurzer Überlegung

gebratene Nudeln mit Ei und Hähnchen-

fleisch bestellte.

“Und ein Mineralwasser, bitte», fügte

Vera hinzu.

“Kein Wasser», erwiderte der Imbissbe-

treiber. “Nur Bier, Cola und Tee.»

Vera entschied sich für eine Dose Eistee

mit Pfirsichgeschmack. Die halbe Sitzflä-

che des Stuhls reichte ihr. Den nassen

Schirm legte sie auf den Boden neben ihre

Füße. Dort bildete sich imNu eine Pfütze.

Die Tischplatte klebte noch von Veras

Vorgängern. Holzstäbchen mussten extra

bezahlt werden. Aus drei nebeneinanders-

tehenden Gasherden schlugen Flammen

empor. An der Wand über Veras Tisch hing

ein Foto der Halong-Bucht im Sonnenun-

tergang. Ansonsten keinerlei Dekoration.

Aber am unteren Rand des Bildes waren

festgetrocknete Spritzer von Suppen oder

Saucen auszumachenÆ das Papier des grob-

körnigen Abzugs hatte sich an den Ecken

leicht eingerollt.

Vorsichtig setzte Vera die Getränkedose

an. Zuerst schmeckte der Eistee erfri-

schend. Dann legte sich ein unangenehmer

Hauch Zucker auf Zunge und Gaumen.

Die Pfirsiche mussten überreif gewesen

sein, als sie verarbeitet wurden.

Vera schaute ein paar Mal neugierig zur

Theke hinüber. Der Koch in der Trainings-

jacke drehte ihr den Rücken zu, so dass sie

É a ist etîasc už fas îir u£s —éžžer£

žésse£Êc saƒte fie rôti£½

:era £ic—te½ IŒr ¨·| îar s¨ scŒîerc

fass er leicŒt £acŒ í¨r£e —i··te½ ér eiŽ

£e£ —urôe£ uƒe£Rlic— scŒl¨ss sie fie

uƒe£½ leicŒôeitiƒ atžete sie ei£žal

tie| furcŒ½

@už RscŒief fréc—te iŒr fie rôti£ iŒr

:isite£—FrtcŒe£ i£ fie a£fb

É is ôuž £FcŒste£ !al½Ê

:era ƒi£ƒ îie au| ;atte½ 1cŒ¨£ seit

1tu£fe£ ruž¨rte i£ iŒr ei£e fuž·|e

ust au| !arôi·a£½

euillet¨£b É ucŒs iž u|ôuƒÊ

ӏa o˜ƒŒÝ

Georges Hausemer

Foto: Susanne aspers

ittprature

S. ¯õ