Accent aigu
S. Ø
7irtschaftsÜissenschaft ohne Einsicht
Die Experten irrten Üeil sie der falschen /heorie anhingen. Sie
Üaren Øberzeugt, dass die einzelnen Anleger stets „rational“ und
die FinanzmBrte immer „effizient“ seien. "bÜohl die 6erhaltens-
onomie unzBhlige eispiele lieferte, dass „RationalitBt“ eine
Eigenschaft ist, die den Menschen besonders auszeichnen ÜØrde,
Üurde die „/heorie der rationalen ErÜartungen“ ins irrÜitzige Ex-
trem getrieben. lind vertraute man der Effizienz des Martes, Üas
so absurd Üar, dass selbst &onomen darØber Üitzelten. Der No-
belpreistrBger Ronald Coase merte 12 bissig an, die Neolassi
sei nur in der Lage, „EinzelgBnger“ zu analysieren, „die am Rande
eines 7aldes mit eeren und NØssen handeln“.
Die Mainstream-&onomen hatten den Crash zÜar produziert,
aber deuten onnten sie ihn nicht q und Lsungen hatten sie auch
eine zu bieten. So orientierten sich die Regierungen nun Üieder
an eynes, von dem der US-7irtschaftsnobelpreistrBger Robert
Lucas sagte“ „ eynes Üar ein besonders guter &onom. Er hat
nicht viel zur EntÜiclung des Fachs beigetragen“.
So ann man sich irren: anen Üurden gerettet, onjuntur-
programme angeschoben und gigantisches „deficit spending“ be-
trieben, ganz so Üie aus einem Lehrbuch von eynes.
Man hBtte jetzt erÜarten nnen, dass sich die Neolassi mit
ihrem eigenen Scheitern auseinandersetzen ÜØrde. 7eit gefehlt q
nach einer urzen Schocstarre erholte sich der Mainstream Üie-
der und postulierte unbeirrt die alten eÜissheiten: „Ich ÜØrde ar-
gumentieren, dass die Finanzrise im 7esentlichen ein 6ersagen
der onomischen Steuerung und des onomischen Manage-
ments Üar q aber nicht der onomischen 7issenschaft“, so der
201{ abgelste FED(US-Notenban)-Chef en ernane. Die
Neolassi verharrt demnach bei ihren alten /heorien und auf den
FinanzmBrten hat sich nicht viel geBndert.
½½½ænf eðnes atte foc rect
Nach der rise Üurden zÜar neue 6orschriften erlassen, die in-
zÜischen viele tausend Seiten umfassen q aber an den zentralen
Stellschrauben des Systems Üurde nicht gedreht. Der Derivate-
handel lBuft fast unverBndert Üeiter q nach der rise ist vor der
rise. Der apitalismus entÜicelt sich vllig ungesteuert und es
steht zu befØrchten, dass die vorherrschende 7irtschaftstheorie
Üieder scheitern Üird. Die &onomie muss umdenen. Aller-
dings sollte man nicht den neolassischen Fehler Üiederholen
und nun ebenfalls nach „7ahrheiten“ suchen. Der apitalismus
ist so dynamisch, dass sich die Perspetiven und /hemen stBndig
Bndern.
eynes Üusste, dass der apitalismus nur strungsfrei funtio-
nieren ann, Üenn man die Devisenspeulation unterbindet.
7enn man 7echselurse fixiert, ist jedoch eine edingung zu be-
achten: Der Au~enhandel muss ausgeglichen sein. Es darf nicht
sein, dass einige LBnder permanent ExportØberschØsse anhBufen,
ÜBhrend andere Staaten genauso unbeØmmert Defizite produzie-
ren. SoÜohl 4berschØsse Üie Defizite sollten daher mit Strafzin-
sen belegt Üerden.
Leider Üurde eynes luge Idee bei der EinfØhrung des Euros
nicht befolgt: Deutschland hBuft gigantische ExportØberschØsse
an, ÜBhrend Staaten Üie riechenland oder Spanien betrBchtliche
Auslandsschulden haben. Der deutsche Finanzminister tBte gut
daran sich an die Lage Deutschlands nach dem Ersten 7eltrieg
zu erinnern: Das Land stecte, als es Reparationszahlungen leisten
sollte, genau in jener Falle in der heute riechenland stect. 7er
Auslandsschulden bedienen soll, bentigt ExportØberschØsse...
und diese 4berschØsse hat riechenland nicht. Es ÜBre daher
sinnvoll, die Schulden der EurorisenlBnder abzuschreiben. Sie
sind soÜieso rettungslos verloren.
aôit
Die Neolassier Üenden ihre /heorie niemals auf sich selbst an.
7ie hoch ÜBre denn die „ renzprodutivitBt“ eines 7irtschafts-
professors, der unbeirrt an einer /heorie festhBlt, die schÜere Fi-
nanzrisen und damit MilliardenschBden produziert. 7Bre die
7elt tatsBchlich neolassisch, ÜBren alle Neolassier lBngst ent-
lassen, Üeil ihre „ renzprodutivitBt“ eindeutig Üeit unter null
liegt.
Entscheidend ist nicht die „ renzprodutivitBt“, sondern das
technische Niveau der gesamten 6olsÜirtschaft. 7ie der US-In-
vestor und Speulant 7arren uffet es ausdrØcte: „Ich persn-
lich glaube, dass ich mein Einommen zu einem Üesentlichen /eil
der esellschaft zu verdanen habe. 7Ørde man mich irgendÜo in
angladesh oder Peru aussetzen, ÜØrde man schnell feststellen,
Üie Üertlos mein /alent in der falschen Umgebung ist. Ich ÜØrde
nach drei~ig Jahren immer noch ums 4berleben Bmpfen“.
10 Jahre globale Finanzkrise
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Am 9. August 2017 jährt sich der Beginn der globalen Finanz-
krise zum zehnten Mal. Noch ein Jahr zuvor, 2006, begeister-
te sich der Internationale Währungsfonds ob der Erhöhung
der Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems durch die „Fi-
nanzinnovationen“. Ein Jahr später erwiesen sich diese Inno-
vationen als toxische Schrottpapiere.
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