Accent aigu
S. 7
Massen zu herrschen. Man wird den Ver-
dacht nicht los, dass ebendiese Methoden
mit gewissen künstlich inszenierten Polari-
sierungen, gekoppelt mit den entsprechend
politisch gezielt eingesetzten psychologi-
schen Tricks, wie beispielsweise Gefühle,
statt Argumente einzusetzen, die neueste
Tour der politischen Unkultur darstellen.
Wo sind wir in der Tat angekommen? Ist
das die „
in modern times
“ tatsächlich ge-
wollte neue Art der politischen Auseinan-
dersetzung? Man erinnere sich an die re-
zente, der politischen Kultur völlig unwür-
dige Schlammschlacht des US-Wahlkamp-
fes. Der heuer leider tatsächlich und gegen
alle Form des politischen Verständnisses
des mündigen Bürgers – und den gibt es
durchaus auch in den Vereinigten Staaten –
und mittels eines völlig unverständlichen
Wahlsystems „gewählte“ Donald
Trump
setzte gezielt, einzig und allein auf (natür-
lich negative) Gefühle, auf Emotionen also
– denn mit Argumenten konnte man ihm
nicht kommen– und somit auf scheinbar
unumstößliche Positionen, Meinungen,
Fronten, gar Dogmen, die zielorientiert
und wahltechnisch geschafft eingesetzt
wurden. Und so etwas bringen die visierten
Politfiguren der Rechten, die dieser Welt,
dieser Gesellschaft mehr schaden als nut-
zen werden, sehr gezielt fertig. Es gelingt
ihnen, zu polarisieren, die Menschen unte-
reinander zu trennen und jeden konstrukti-
ven Meinungsaustausch zu unterbinden.
Radikalisierung und Gewaltbereitschaft
wird dadurch gefördert. Ein sehr gefährli-
ches Politspielchen, das die da treiben und
wo man sich fragen muss, ob unsere Tole-
ranz heuer ob der dramatischen Entwick-
lungen dieser „
Droite
“ nicht doch zu sehr
strapaziert wird. Was haben diese Rechts-
parteien eigentlich in unseren demokrati-
schen Parlamenten zu suchen? Muss un-
sere Toleranz tatsächlich bereit sein, diese
Gefahren der Rechtspopulisten weiterhin
zu ertragen und deren Existenz immer
noch in einem System zu dulden, gegen das
sie explizit agitieren und ihnen darüber hi-
naus auch weiterhin eine politische Bühne
zu bieten?
Keine Toleranz gegenüber In-
toleranten,
riet uns schon
Wilhelm
Busch
…Nur: ein Verbot bringt wohl
nichts, denn dann haben sie genau das, was
sie wollen. Eine gesunde Demokratie,
wenn wir sie denn realisieren können –
und das hat viel mit politischer Bildung
und Aufklärung zu tun, die bis heute in un-
serer modernen Spaßgesellschaft leider
stark vernachlässigt wurde, und das mit der
Konsequenz, die wir heute hochaktuell
kennen – könnte sehr wohl mit einer sol-
chen Gefahr umgehen. Und sie schon im
Keim ersticken. Und das können wir ob
des allgemeinen Zustandes unserer einge-
schlafenen Demokratie eben leider nicht!
Die braune Gefahr - das hatten wir doch
alles längst schon. Wir wollten uns diese im
Sinne der Aufklärung und des Humanis-
mus‘, die es auch im 21ten Jahrhundert un-
serer Zeitrechnung immer noch nicht gibt,
doch wirklich ersparen. Weshalb hat un-
sere Politik denn so versagt? Das ist wohl
die wahre Konsequenz des Neoliberalis-
mus‘, der die gute soziale Marktwirtschaft,
die unserer Demokratie so viel bringen
konnte, ermordet hat. Ach ja, nach Sokra-
tes folgt der Übeltäter einem Irrtum, denn
er kennt das moralische Gesetz nicht. Und
diese Übeltäter sind bestimmt nicht nur bei
dieser heuer erstarkten politischen Rech-
ten zu suchen….




