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!æsÄæos
N°163
ulturissimo:
err rum-
p«ck, als neuer Chefdiri-
gent des Orchestre de
Chambre du uïemburg
beginnen Sie die Spielzeit
mit einem regelrechten
Paukenschlag, nämlich der Auffüh-
rung aller Schubert-Symphonien.
Warum gerade Schubert?
Florian Krumpöck: Erstens gibt es da ei-
nen natürlichen Bezug zu meiner Heimat
und zweitens bin ich der Meinung, dass es
noch immer nicht genug Wertschätzung
für die Symphonien von Franz Schubert
gibt. Darüber hinaus liebe ich es zyklisch
zu arbeiten, weil ein Werk die interpreta-
torische Intensität des zweiten schärft.
Durch eine solche intensive Beschäftigung
kann man als Musiker weitaus leichter
zum Kern der Musik vordringen und so-
mit auch dem Publikum eine weitaus stär-
kere Aufführung anbieten.
„k“: Sie sprechen die geringe Wert-
schätzung an, die man generell ge-
genüber Schuberts Symphonien
hegt. m :ergleich zu eethoven,
rahms und Schumann kommt der
symphonische Schubert bis auf die
5nvollendete und die Große C-Dur
Symphonie tatsächlich immer etwas
schlechter weg. Woran liegt das
denn?
F. K.: Erstens werden die frühen Sympho-
nien sehr selten gespielt, und was nicht ge-
spielt wird kann man auch nicht schätzen
lernen. Zweitens ist es nicht zu leugnen,
dass Schubert formal und auch von der
Instrumentierung her eher rückschrittlich
als progressiv war. Beethoven hat mit sei-
ner 9. Symphonie etwas geschaffen, über
das sich bis Gustav Mahler niemand darü-
ber getraut hat. Die Instrumente haben
ihm nicht mehr ausgereicht, um das aus-
zudrücken, was er wollte. Er musste die
menschliche Stimme hinzunehmen. ¹Oh
Freunde, nicht diese Töneº ist richtung-
weisend für die Musikgeschichte gewor-
den. Nur dass sich bis Mahler niemand
mehr getraut hat, diesen richtungweisen-
den Schritt weiterzugehen. Schubert hat
in seinen beiden großen Zyklen, den Sym-
phonien und den Klaviersonaten, keine
formalen Experimente gemacht. Im Ge-
gensatz zu Beethoven. Auch auf die Ein-
führung von verschiedenen Instrumenten
wie Piccolo-Flöte, Kontrafagott oder
Schlagzeug hat Schubert verzichtet. Er ist
hier zeitlebens rückschrittlich geblieben.
Und er hatte ja auch nie die Möglichkeit,
seine symphonischen Werke zu hören und
sie dann nachträglich zu verbessern. Ich
glaube, Schubert hat nur seine drei ersten
Symphonien gehört und dann nur in sehr
klein besetzten Aufführungen bei soge-
nannten Hauskonzerten.
„k“: r war aber nicht rückschrittlich
in seinen iedern.
F. K.: Oh nein, in seiner ¹Winterreiseº ist
er sogar sehr impressionistisch und seiner
Zeit weit voraus. Aber auch in seinen
Symphonien findet man durchaus Wun-
derbares. Mich interessiert als Musiker
nicht so sehr das Formale, aber vielmehr
das, was zwischen den Zeilen steht. Und
hier findet man immer eine ganz tiefe See-
lenbotschaft. Die er mit seinen Mitteln
durchaus überzeugend rüberbringt.
„k“: Wie z. . in seiner . Symphonie.
F. K.: Unglaublich. Dieses Werk deutet
schon in eine ganz andere Richtung. Oder
die Dritte. Carlos Kleiber hat beispielswei-
se nur die Dritte und die ¹Unvollendeteº
von Schubert geschätzt und bei seinen
Konzerten dirigiert. Und für die Schall-
platte aufgenommen.
„k“: Wie kann man denn diese frü-
hen Symphonien einschätzen? ch
finde, hier gibt es ähnliche Gruppen
wie bei Mahler. ins bis drei, vier bis
sechs und dann die bekannten letz-
ten Symphonien.
F. K.: Stimmt. Obwohl man immer wieder
bedenken muss, dass Schubert sein soge-
nanntes Spätwerk mit Ón Jahren geschrie-
ben hat. Bei der Schubert-Rezeption muss
man unbedingt berücksichtigen, dass er so
jung gestorben ist. Was hätte Schubert
noch für Musik schreiben können. Und
wäre er so alt wie Haydn geworden, hätte
er die Geburt von Schönberg noch miter-
lebt. Wie hätte sich so jemand weiterent-
wickelt? Doch um auf Ihre Frage zurück-
zukommen: Die ersten drei Symphonien
sind sehr kompakt, sehr kurz und in den
Finalsätzen hört man den Einfluss von
Rossini. Und man muss sich bewusst ma-
chen, dass Schubert seine ersten drei Sym-
phonien im Alter zwischen 16 und 1n Jah-
ren komponiert hat. Als er die tragische
Vierte geschrieben hat, war er gerade ein-
mal 19 Jahre alt. Das muss man sich erst
einmal vorstellent
„k“: Sie spielen in hrem ersten on-
zert die nicht fertig gestellte und
kaum bekannte ×. Symphonie.
F. K.: Ja, für mich ein sehr wichtiges Werk,
denn hier hat Schubert zum ersten Mal
die Posaunen eingeführt. Das, was von
Schubert fertig gestellt ist, ist ein komplet-
tes Particell. Jeder Takt ist komponiert
und Schubert hat festgehalten, wie er die
Instrumentierung wollte. Und weil er kei-
ne formalen Experimente gemacht hat,
kann man diese Ç. Symphonie sehr leicht
im Sinne Schuberts aufführen. Es gibt eine
Fassung von Felix Weingartner, die aber
mit hinzukomponierten Übergängen und
einem riesigen Orchesterapparat sowie ei-
ner überromantisierten Interpretation
nicht den Nerv des Werkes trifft. Wir spie-
len das Werk in der Fassung von Brian
Newbould, der bereits die Unvollendete
und auch eine 1ä. Symphonie von Schu-
bert fertig gestellt und orchestriert hat.
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Ein esprF\ mit dem .ianisten und irienten l¨rian Krump«\
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Foto: .hili·· Hora




