Gegenwärtig befindet sich der Journalis-
mus in der Krise. Der „Vierten Gewalt“
wird zwar, in Ländern mit verbriefter Pres-
sefreiheit, eine eminent wichtige Rolle für
das Funktionieren der Demokratie (noch)
nicht abgesprochen, sie steht aber zuneh-
mend unter Druck. Die multiplen Bedro-
hungen des Journalismus stellen ein ganzes
Berufsfeld in Frage und gefährden die öf-
fentliche politische Kommunikation.
laÓÓiÓ\e !edien
íerÓuÓ 1¨ôialmedien
Die Gefährdungslage bei Demonstrationen
und die Wahrnehmung von Journalisten
als Provokateure erscheint als eine direkte
Folge einer allgemeinen Vertrauenserosion
gegenüber den Medien. Diejenigen, die
mehr oder weniger offen das demokrati-
sche System in Frage stellen, haben offen-
bar ein Problem mit der massenmedial ver-
mittelten Kommunikation, die nicht vol-
lends in ihrem Sinne verläuft. Nichts steht
so sehr dafür wie der inzwischen fast omni-
präsente Begriff der „Lügenpresse“. Die
historisch aus der Zeit des Nationalsozia-
lismus übernommene Vokabel ist in Teilen
der Bevölkerung längst wieder salonfähig
geworden. Als Kampfbegriff wird sie gegen
alles angeführt, was an subjektiver Unzu-
friedenheit gegen klassische Medien vor-
handen ist. Dabei wird unterstellt, dass be-
stimmte Aspekte der Realität von den Me-
dien ganz bewusst ausbeglendet werden.
Demgegenüber stehen die neuen „sozia-
len Medien“\ In Internetgruppen, als digital
verlängertem Stammtisch, tauschen sich
zunehmend Gleichgesinnte aus, die nur
noch das wahrnehmen, was sie mittels ih-
rer entsprechenden Filterblase bestätigt
und befriedigt. Sie konzentrieren sich auf
jede Art von Mitteilungen, die ihrem eige-
nen Weltbild entgegenkommen. Alles, was
dem zu widersprechen scheint, wird reflex-
artig als Unwahrheit abgetan.
Dabei hatte das Internet ursprünglich
durchaus Anlass zu Hoffnungen gegeben\
Endlich könnten die Bürger sich von den
Medien emanzipieren und am gesellschaft-
lichen Diskurs teilhaben, weil sie ohne
Aufwand selbst ihre Meinung publizieren
könnten. Der Schriftsteller Bertolt Brecht
hatte schon in seiner Radiotheorie die Visi-
on einer solchen umfassenden Teilhabe-
möglichkeit für alle Bürger entworfen und
sie als gesellschaftliche Chance beschrie-
ben.
Die Realität sieht aber etwas anders aus\
Ein Großteil der Menschen zieht sich auf
die Rolle des bloßen Konsumenten zurück,
eine dauerhafte kommunikative Teilhabe
scheint viele zu überfordern oder ist ihnen
zu aufwendig.
ie „Ó¨ôialen !edien“ Óind
auf .¨lariÓierun beda\t
Die Folge ist, dass besonders zugespitzte,
schrille Töne in Stammtischmanier für die
„Stimme des Volkes“ gehalten werden.
Diese „Stimme des Volkes“ mausert sich zu
einer „Fünften Gewalt“ im Staate, freilich
ohne sich den Regeln der professionellen
Presse zu unterwerfen. Der Kampf um Auf-
merksamkeit zwischen „Vierter“ und
„Fünfter“ Gewalt wird dabei zuweilen mit
höchst unfairen Mitteln ausgetragen. Tat-
sächlich wird die einstige Hoffnung, dass
mit Hilfe von Onlineforen die Debatten-
kultur inhaltlich beflügelt werden könne,
inzwischen zurückhaltend beurteilt. Die
sozialen Medien verkommen zu einer
Plattform für die Organisation von Protes-
ten und dienen mit affektiven Botschaften
der Verbreitung von Emotionen.
Doch gerade unange-
messene Zuspitzung,
üble Gerüchte und ef-
fektive,
bewusste
Falschdarstellungen
gewinnen ihr Publi-
kum, wobei diese Aus-
führungen von vielen
unreflektierrt als me-
dienvermittelt wahrge-
nommen werden. Der
Schritt hin zur Abµua-
lifizierung der klassi-
schen Medien als „Lü-
genpresse“ ist da nicht
mehr weit.
In diesem Sinne wer-
den die internetbasier-
ten „sozialen Medien“
zu wahrhaft „unsozia-
len Medien“, die inzwischen den redaktio-
nellen Alltag der Journalisten überschat-
ten. Die vermeintliche „Lügenpresse“ wird
nicht nur körperlich angegriffen, sie muss
sich auch der Schmähkritik aus dem Inter-
net erwehren. Der Umgang mit „Shits-
torms“ stellt dabei ein Neuland dar und
markiert einen Meilenstein im Ringen um
die Deutungshoheit im öffentlich-medialen
Diskurs. Die Onlinemedien neigen zu Ver-
kürzung und Polarisierung, weil sie dem
Bedürfnis gerecht werden wollen, kompli-
zierte Sachverhalte in Schwar und Weiß
einzuteilen.
aÓ etrébte :erFltniÓ
ôur .¨liti
Für gediegene journalistische Arbeit wer-
den erhebliche Ressourcen gebraucht, die
die Gesellschaft heute aber kaum noch auf-
bringen will. Eine umfassende und seriöse
Recherche lässt sich nicht in Sekunden er-
ledigen. Die klassischen Medien tun sich
daher auch keinen Gefallen, wenn sie im-
mer mehr ungeprüfte Agenturmeldungen
vorschnell veröffentlichen. Ein solches
Verhalten befördert nur die Erosion des
Vertrauens bei einem Publikum, das immer
weniger bereit ist für journalistische Inhal-
te und Produkte zu bezahlen. Die Haltung,
dass im Internet ja ohnehin alles gratis zu
haben ist und damit das subjektive Infor-
mationsrepertoire hinreichend bedient
wird, ist weit verbreitet.
Immerhin ist nun endlich auch in der Po-
litik angekommen, dass es im Bereich der
politisch-gesellschaftlichen Kommunikati-
on eine gefährliche Schieflage gibt. „An-
griffe auf die Pressefreiheit sind zugleich
s îirf getrete£c ges\age£c ge·«Ret½
R£eme£fe geses\a|ti\e ôe·
ta£ô fes our£aismus fur\ fie ôu£e
me£fe£ geîattFtige£ 8Rergri||e au|
our£aiste£c ei£ 3agc a£ fem our£a
iste£ £i\t @igtause£fe ío£ ass!ais
erate£ w u£f a fas i£ ei£er @eitc i£
fer fie rReitsRefi£gu£ge£ |ér our£a
iste£ immer ·reFrer îerfe£ w gese
s\a|ti\c ·oitis\c aRer au\ «o£o
mis\½
m 1\uma££
£Ï|| doÏ Èæ£Óoôao£ !odo£É aæ| do È éo£·ÏoÓÓoÉ
our£aismus i£ fer rise
\\e£t aigu
S. ¯ä




