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S. ß
Es kamen viele Titel in Frage für diesen Ar-
tikel, der unter dem Schock der Nachricht
am frühen Morgen nach der dramatischen
Wahlnacht in den Vereinigten Staaten von
Amerika geschrieben wurde. Zum Beispiel
“So geht Demokratie” oder “Sieg des Wei-
ßen Mannes”. Natürlich könnte man sich
auch einen Titel vorstellen wie “Amerika-
ner wählen sich erneut einen Frauenbe-
grapscher ins Weiße Haus” oder “Werden
die USA nun zur protektionistischen Fes-
tung¶”. Auch “Vom Winzersohn zum Wol-
kenkratzer” würde den Nagel auf den Kopf
treffen. Endlich wieder ein weißer Mann
im Weißen Haus, werden seine Anhänger
heimlich gejubelt haben, weil sie den lang
ersehnten Sieg gegen das finanzielle Esta-
blishment am East-River und gegen die mi-
litär-politische Machtzentrale am Poto-
mac-River eingefahren haben.
Denn auch wenn George W. Bush, der
uns Sozialdemokraten zwei Legislaturpe-
rioden in Atem hielt, mit dem auf einer ma-
nifesten Lüge aufgebauten Krieg im Irak
viel Schaden anrichtete, war er als Enkel
von Hitlers Banker Prescott Bush stets Mit-
glied dieses Establishments. Was man vom
Parvenü des deutsch-amerikanischen Win-
zersohnes Drump nicht gerade behaupten
kann. Fragt sich nun, ob die gemäßigten
Republikaner in Senat und Repräsentan-
tenhaus noch irgendeinen Einfluss auf ihn
als Präsident haben undÉoder diesen auch
einsetzen.
Wenn dem nicht so wäre, dann könnte er
munter damit weiter machen, Nation und
Bevölkerung mit seinem kruden Populis-
mus zu spalten und die langjährigen Weg-
gefährten auf der globalen Bühne zu ver-
graulen. Doch gibt es bekanntlich mehr
Ketten als räudige Hunde.
1BndBsten der !Bcht
Und wie wir bereits in diesen Spalten öfters
schrieben, haben Männer ganz anderen
Ausmaßes, von Lincoln über Kennedy bis
Nixon, um nur diese zu nennen, diese pein-
liche Erfahrung machen müssen. Auch
wenn dieser Gassenhund den “Zwingern”
noch einige Sorgen bereiten wird. Da fällt
einem doch prompt ein weiterer Titel ein:
“Ovale Office als Zwinger für Straßen-
hunde”. Denn wie im alten Gallien von
Goscinny und Uderzo geht der auf das
Schild gehievte Häuptling Majestix nicht
mehr den eigenen Weg, sondern den seiner
tollpatschigen Intrigenträger. Denn die
Chance, dass ihn seine Wähler, unter de-
nen auch sogenannte Hispanics waren, de-
nen er eine Mauer vor die Nase stellen will,
auch in seinen neuen Aufgaben weiter tra-
gen können, ist äußerst gering. Und das ist,
ob man will oder nicht, eine weitere
Schwachstelle der Demokratie.
Denn nach der Wahl der Untertanen,
übernehmen die Träger die Macht “unter”
dem Gekürten. Sie tragen ihn durch die
schalldichte Welt der wahren Entscheider.
Und dieser milliardenschwere Kandidat
wird, wie wir ihn im Wahlkampf kennen-
lernten, ein willfähriger Genosse werden.
Wie ein kleines Kind wird er anfangs sein
neues öffentliches Spielzeug nutzen, um
seine privaten und geschäftlichen Unzu-
länglichkeiten zu bereinigen. Doch in der
Hoffnung, dass er sein Spielzeug nicht
zerstören wird, wenn er es mit ihnen teilen
muss, werden sie ihn gewähren lassen.
Doch dass sich der siegreiche US-Präsi-
dentschaftskandidat und diese Demokratie
im Vorfeld nichts geschenkt haben, dürfte
ihn nun aber auch dazu verleiten, sich wie
ein motzender Bub an allen zu rächen, die
ihn vor den Wahlen kleinmachen wollten.
Der Sandkasten ist geöffnet.
Aber auch das scheinbar von allen Hoff-
nungen verlassene Wahlvolk, das “seine”
Arbeitsplätze in einer längst obsolet gewor-
denen Industrie wiederhaben möchte, um
nur dieses Beispiel zu nennen, benimmt
sich wie ein Kind, dem gerade sein Spiel-
zeug zerstört wurde.
$ligBrchische nternBti¨nBle
Und wenn die amerikanische Elite nicht
endlich einsieht, dass die immer weiter auf-
gehende Schere zwischen Arm und Reich
einer der Auslöser
für diese Wahlkatas-
trophe sein könnte,
dann kann sie ihr
wohlwollendes frei-
maurisches Kons-
trukt aus Kolonial-
zeiten definitiv zu
Grabe tragen. Nach
publikumswirksa-
men Tränenorgien
auf der Trauerfeier
werden Oligarchen
aus allen Herren
Ländern die Weltmacht übernehmen und
schnell zum Totengräber der Europäischen
Union werden. Und so wird Rockefellers
trilaterale Kommission endlich zur Multi-
lateralen. Und in dieser Situation sitzt die
Demokratie wie der amerikanische Wähler
in der Zwickmühle, zwischen Pest und
Cholera wählen zu müssen. Entweder sie
akzeptiert ihr Begräbnis, oder sie wird zur
etablierten Mittelmäßigkeit. Ein Totengän-
ger wie heute schont¶
Wenn wir das verhindern wollen, dann
darf die Demokratie nicht mehr nur in
Sonntagsreden über den Klee gelobt wer-
den, sondern als einzige Staatsform, die
dem Einzelnen nicht aufgezwängt werden
kann, auch gelehrt werden. Nach dem
Motto: Wir sind Demokratiet
Das weltweite demokratische, aber auch
republikanische und sozialistische Esta-
blishment ist jedenfalls ins Mark getroffen.
Zu hoffen bleibt nur noch, dass die US-Ins-
titutionen diese unselige Konstellation we-
nigstens eine Legislaturperiode ohne grö-
ßere Schäden überstehen. Abschließend
aber noch eine mögliche Analyse dieses
von den dilettantischen Meinungsfor-
schern unvorhergesehenen Erdrutschsie-
ges: Die Republikaner von unten haben
den Sieger massiv gestärkt, während die
Elite, laut George W. Bush, Senat und Re-
präsentantenhaus retteten.
Also hat er die restlichen Stimmen, die
notwendig waren zum Sieg, von Anhän-
gern der Clintons erhalten, die dieser de-
mokratischen Dynastie nicht mehr abnah-
men, in ihrem Interesse zu agieren. Und
hier war u. a. wohl auch die Benachteili-
gung von Bernie Sanders ausschlaggebend.
Wenn Trump, denn so heißt der Mann,
nach seiner Investitur immer noch ver-
sucht, seine demagogischen Wahlverspre-
chen einzulösen, ist er definitiv ein Idiot.
Wechselt er aber wie viele Vorgänger als
exekutive Marionette zur Finanzelite, dann
bleibt alles stabil wie bisher. Odert¶
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